Tao Te Ching In German: Translated by Rudolf Backofen |
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1. Ehrfurcht vor dem Geheimnis des Unergr�ndlichen |
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01. Das Unergr�ndliche, das man ergr�nden kann, ist nicht das unergr�ndbar Letzte. 02. Der Begriff, durch den man begreifen kann, zeugt nicht vom Unbegreiflichen. 03. Im Unbegreiflichen liegt der Welt Beginn, nennbar wird nur, was Gestalt gewinnt. Daher gilt: 04. Das Wesen erschaut, wer wunschlos zum Herzen der Dinge strebt; 05. Gestalten nur sieht, wer begehrlich am Sinnlichen klebt. 06. Wesen und Gestalt sind nur begrifflich gespalten, geheimnisvoll bleibt ihrer Einheit Grund. 07. Diese Einheit ist das Geheimnis der Geheimnisse, zu allem Unergr�ndlichen erst das Tor. |
2. Das Offenbarwerden des Wesentlichen im Gegensatz |
08. Wir wissen: Sch�nheit wird als Sch�nheit nur erkannt, wenn Nichtsch�nheit bewusst wird. 09. Das Gute wird als Gutes nur erkannt, wenn Nichtgutes bewusst wird. 10. Seyn und Nichtseyn erzeugen einander; 11. Schweres kann nur Seyn, wo auch Leichtes ist; 12. Gro�es nur, wo Kleines ist; 13. Hohes dort, wo Tiefes ist. 14. Stimme und Ton bedingen die Kiangwelt. 15. Vergangenheit und Zukunft bedingen die Zeit. Darum 16. wirkt der Weyse durch Nichtwirken; 17. lehrt durch Schweigen; 18. ist allem ge�ffnet, was auf ihn zukommt; 19. erzeugt und beh�lt nichts; 20. schafft Werke und fragt nicht nach der Frucht der Werke; 21. vollendet und steht immer wieder am Anfang: 22. All sein Tun quillt aus Herzensgr�nden. |
3. Nichtwirken -- Grundsatz aller Menschenf�hrung |
23. Die F�higen auszeichnen, das hei�t: im Volke Streber erziehen. 24. Das Seltene preisen, das hei�t: die Neider locken. 25. Die Begierden reizen, das hei�t: die Herzen verwirren. 26. Daher weckt ein weiser F�rst keine Leidenschaften, sondern sorgt f�r Zufriedenheit; 27. weckt keine Begierden, sondern l��t sein Volk in sich stark Seyn; 28. weckt keinen Wissensdrang, sondern f�rdert die Herzensbildung. 29. Er selbst wirkt-ohne zu wirken und erwirkt gerade dadurch die Ordnung des Reichs. |
04 Die Unerkennbarkeit des Weltenurgrundes |
30. Wesenlos ist das Unergr�ndliche, die Wesen l�send von ihrem Seyn; abgr�ndig tief ist es, alles Seyenden Grund. 31. Es mildert das Scharfe, kl�rt das Wirre, d�mpft das Grelle, macht sich eins mit dem Unscheinbaren. 32. Qellgrund des Schweigensl Nicht scheinst Du zu wirkenl 33. Ich wei?nicht, woher Du kommst. 34. Du scheinst �lter zu sein als selbst der Gott des Himmels. |
5. Sch�pferisches Unbek�mmertsein |
35. Das All kennt keine Liebe; es schreitet �ber alles hinweg, als w�re es nichts. 36. Auch der Weyse kennt keine Liebe, wie Menschen sie kennen; nat�rliche Bande verpflichten ihn nicht. (Denn mehr als Liebe ist, was im All und im Weysen wirkt.) 37. Wie des Schmiedes Blasebalg, in sich leer, doch h�chste Glut und edelstes Schaffen erm�glicht, wenn er im Innern bewegt wird, so wirkt aus dem Nichts sch�pferisch das All; 38. so wirkt der schweigende Mensch, der ledigen Gem�ts ist. 39. Wer aber nicht schweigen kann, der ersch�pft sich. |
6. Das Aus-sich-selbst-quellen alles Lebendigen |
40. Unverg�nglich ist der Geist der Tiefe. 41. Es ist das Urm�tterliche. 42. In des Urm�tterlichen Scho?wurzeln Himmel und Erde. 43. Es ist der Urquell des Lebens, der m�helos aus sich selber quillt. |
7. Selbstlosigkeit-das Tor zur Unverg�nglichkelt |
44. Langw�hrend sind Himmel und Erde. 45. Nie sich selbst lebend, erf�llen sie die untergr�ndigen Ordnungen. 46. Das ist der Grund ihrer Unverg�nglichkeit. 47. So kennt auch der Weyse keinen Eigenwillen: 48. Er fragt nicht nach sich-und kommt doch zu sich. 49. Er achtet seiner selbst nicht -- und Seyn Selbst vollendet sich. 50. Mu?es nicht so Seyn, da?dem Selbstlosen allein Erf�llung wird? |
8. Sichf�gen -- das Geheimnis echten Lebens |
51. Echtes Leben gleicht dem Wasser: Still f�gt es sich dem Grund, den Menschen verachten, g�tig und selbstlos allem dienend, dem unergr�ndlichen Urquell gleichend. 52. Echtes Leben ist: 53. Anspruchslos nach au�en und wunschlos nach innen; 54. hingebend im Dienen und wahrhaftig im Reden; 55. ordnend im F�hren und leistungsstark im Wirken; 56. gelassen im Tun. 57. G�tig sich f�gend, ist es unantastbar. |
09. Vom Tun des Notwendigen |
58. Man darf nicht ein Gef�� �berf�llen, wenn man es nur f�llen soll. 59. Man kann nicht ein Me�er sch�rfen und zugleich die Schneide erproben. 60. Sinnlos ist es, Gold und Edelsteine zu sammeln, wenn man sie nicht sicher horten kann. 61. Wer, reich und geachtet, nur sich selber kennt, der zieht sein eigenes Ungl�ck herbei. 62. Wer aber Gro�es vollbringt und trotz des Ruhms sich bescheiden zur�ckzieht, der verwirklicht des Himmels Art. |
10. Der Weg zur Lebenstiefe |
63. Herrschaft des Geistes und Einklang der Kr�fte bewahrt die Seele vor Zersplitterung. 64. Seine Herzkr�fte bewahrend, anpa�end sich f�gend, wird der Mensch dem Kinde gleich. 65. St�ndig sich l�uternd, immer tiefer schauend, geht er irrtumslos seinen Weg. 66. Wer liebend sein Volk f�hrt, l��t es sich selbst ordnen. 67. In Zeiten des Gl�cks und in Zeiten des Ungl�cks umhegt er es m�tterlich. 68. Wer sich um echte Einsicht m�ht, bedarf keines Wissens. 69. Hegen und pflegen, 70. Werte schaffen und nichts behalten, 71. wirken und der Werke nicht achten, 72. f�hren und doch nicht herrschen: Das erstrebt der Zielwille unseres Lebens. |
11. Die Wirksamkeit des Unsichtbaren im Sichtbaren |
73. Drei�ig Speichen enden in einer Nabe; doch erst das Loch in der Nabe wirkt des Rades Brauchbarkeit. 74. Ton knetend bildet man Gef��e; doch erst ihr Hohlraum gibt ihnen Brauchbarkeit. 75. Mauern, von Fenstern und T�ren durchbrochen, bilden R�ume; doch erst die Leere des Raums gibt ihnen Brauchbarkeit. 76. So gibt das Stoffliche zwar Eignung, das Unstoffliche aber erst den Wert. |
12. Das Sinnliche -- ein Weg zum Sinn |
77. Der Farben Vielfalt blendet die Augen. 78. Der T�ne F�lle bet�ubt das Geh�r. 79. Der Gew�rze Reichtum verdirbt den Geschmack. 80. Der Leidenschaften Drang verwirrt das Herz. 81. Die Gier nach schwer Erreichbarem zerst�rt die Sitten. 82. Der Weyse, von seinem Inneren geleitet, bestimmt seiner Sinne Grenzen. 83. Alles Sinnliche ist ihm auch nur ein Weg zum Sinn. |
13. Sittliche Unabh�ngigkeit Voraussetzung alles ordnenden Wirkens |
84. Gnade ist besch�mend wie Angst. 85. Ehre macht Kummer wie das liebe Ich. 86. Warum ist Gnade besch�mend wie Angst? 87. In �ngsten schwebt, wer Gnade sucht, (nicht wissend, ob er sie erh�lt;) 88. in �ngsten verharrt, wer Gnade fand, (nicht wissend, ob er sie beh�lt;) darum ist Gnade besch�mend wie Angst. 89. Warum macht Ehre Kummer wie das liebe Ich? 90. Aller Kummer kommt daher, da?ich ein Ich habe, (denn das Ich ist nie zufrieden zu stellen;) 91. k�nnte ich von meinem Ich loskommen, g�be es auch keinen Kummer mehr. Darum: 92. Wer sich von Gnade und Ehre ebenso wie von seinem Ich freih�lt, dem mag man das Reich �bergeben; 93. wer selbstlos zu dienen gewillt ist, dem mag man das Reich anvertrauen. |
14. Innerer Gehorsam erwirkt letzte Erkenntnisse |
94. Wer das Unergr�ndliche sehen will, wird es nicht sehen; denn es ist unsichtbar. 95. Wer das Unergr�ndliche h�ren will, wird es nicht h�ren; denn es ist tonlos. 96. Wer das Unergr�ndliche erfassen will, kann es nicht ergreifen; denn es ist frei von Gestalt. 97. Kein Teilweg f�hrt zu einem Ziel, nur im Ganzen findet sich das Eine: 98. Nenne seine Oberfl�che abgr�ndig dunkel und seine Tiefe oberfl�chenhell (nie ist es begrifflich zu fassenl) 99. Es kreist anfangslos durch das All und sinkt endlos ins Nichts, 100. ist gestaltlose Gestalt und Seynloses Seyn, 101. das Unergr�ndlichste in allem Unergr�ndlichen. 102. Wer ihm entgegengeht- schaut nicht Seyn Antlitz; wer ihm folgt- dem entzieht es sich. 103. Wer ihm aber gehorsam bleibt, so wie ihm die Alten gehorsam waren, der erkennt, was ward und was werden will, der sieht die Selbstentfaltung des Unergr�ndlichen aus sich selbst. |
15. Urspr�nglichkeit -- das Geheimnis im Leben der alten Meister |
104. Die alten Meister des Lebens waren tiefeins mit den wirkenden M�chten des Lebens. 105. In ihrer tiefen Innerlichkeit lag ihre Gr��e und ihres Wirkens M�chtigkeit. 106. Wer vermag sie heute zu erfassen? 107. Voller Aufmerksamkeit waren sie, wie F�hrleute, die im Winter �ber den Strom setzen. 108. Scheu waren sie, wie Menschen, die von allen Seiten bedr�ngt werden. 109. Zur�ckhaltend blieben sie, wie es G�sten geziemt. 110. Sie f�gten sich wie schmelzendes Eis. 111. Sie waren echt wie Kernholz. 112. Sie waren voller Weite wie ein breites Tal 113. und undurchschaubar wie sumpfige Wasser. 114. Undurchschaubar erscheinen uns Heutigen auch ihre Erkenntnisse; wer kann sie uns wieder erhellen? 115. Wer vermag wieder zum Leben zu erwecken, was uns so tot erscheint? 116. Nur wer dem Unergr�ndlichen gehorsam wird, wer sich selbst nicht sucht, wer unscheinbar bleibt und im Mangel vollkommen sein kann. |
16. Die Erf�llung der ewigen Ordnungen |
117. Wunschloses Aufw�rtsstreben gibt Herzensstille. 118. Und k�men auf einen Wunschlosen auch alle Wesen zu,- er bliebe still, ihr Kommen und Gehen schauend. 119. Denn alles Lebendige ist dem Wechsel unterworfen: Es entfaltet sich - und kehret zum Urgrund zur�ck. 120. Zur�ckkehren zum Urgrund, das hei�t: stille werden, das hei�t: heimkehren. 121. Heimkehr ist: R�ckkehr ins Unverg�ngliche. 122. Wer dies erkennt, ist weise; wer es nicht erkennt, stiftet Unheil. 123. Wer von der Unverg�nglichkeit ergriffen wird, der wird weitherzig. 124. Der Weitherzige ist duldsam. 125. Der Duldsame ist edel. 126. Der Edle erf�llt die ewigen Ordnungen. 127. Und wer diese erf�llt, der gleicht dem Unergr�ndlichen, und ist, wie dieses, unverg�nglich. 128. Keinerlei Schicksal trifft ihn mehr. |
17. Die Unauff�lligkelt guter Staatsf�hrung |
129. Den echten F�hrer einer Gemeinschaft gewahrt das Volk kaum; 130. weniger gro�e werden geliebt und gelobt, 131. die kleinen gef�rchtet, 132. die Herrschs�chtigen verachtet. 133. So wie ein Herrscher seinem Volk vertraut, vertraut das Volk ihm. 134. Die weisen Herrscher w�hlten bedacht ihre Worte, was sie taten, war gut; ihr Werk vollendeten sie. 135. Das Volk aber glaubte, sich selbst zu f�hren. |
18. Mangelnde Urspr�nglichkeit wirkt aufl�send |
136. Sitte und Recht entstanden, als der Mensch nicht mehr aus dem Ursprung lebte. 137. Mit der Herrschaft des Verstandes begann die gro�e Unaufrichtigkeit. 138. Als die Einheit des Blutes verloren ging, 139. mu�te von Elternpflicht und Kindesgehorsam gesprochen werden; 140. als die Einheit der Gemeinschaft verloren ging, mu�te von Staatstreue und B�rgerpflicht gesprochen werden. |
19. Echtheit des Wesens Voraussetzung vollkommener Sittlichkeit |
141. Hundertfach wird eine Gemeinschaft gesegnet, wenn die Menschen nicht mehr wissen und nicht mehr heilig sein wollen. 142. Wahre Ehrfurcht und nat�rliche Liebe wachsen in einer Gemeinschaft, in der Recht und Sitte nicht mehr gefordert werden. 143. Unmoral findet keinen Raum in einer Gemeinschaft, in der Selbstlosigkeit das Wirken bestimmt. 144. Das sind drei Grunds�tze, die nicht gefordert, sondern gelebt werden wollen. 145. Nur wo sie gelebt werden, helfen sie dem Menschen. 146. Echte Sittlichkeit wird nur, wo urspr�nglich gelebt und aus lauterem Herzen gehandelt wird; 147. wo sich die Echtheit des Wesens in selbstloser Tat und in Wunschlosigkeit offenbart. |
20. Die Unbek�mmertheit des Weisen um das Urteil der Masse |
148. Gebt eure Scheinbildung auf, so l�sen sich alle Schwierigkeiten. 149. Wie klein ist doch der Unterschied zwischen (dem herzhaften) Ja (eines Mannes) und (dem lieblichen) Ja (eines Weibes)l 150. Wie bedingt ist doch das Urteil �ber gut und b�sel 151. Wie t�richt ist es doch, keine Ehrfurcht zu zeigen vor dem, was anderen Ehrfurcht ein-fl��t! 152. 0 Einsamkeit, wann umf�ngst Du mich ganz ...? 153. Die Menschen lustwandeln so fr�hlich, als ob das Leben ein einziges Volksfest w�re, als ob alle auf des Maien H�hen gingen. 154. Ich allein bin verlassen und wei?nicht, was ich tun soll. 155. Wie ein Kind bin ich, das noch nicht l�cheln kann, 156. wie ein Fl�chtling, der keine Heimat mehr hat. 157. Die andern haben die F�lle, ich habe nichts. 158. Ich bin voller Einfalt, wie ein Tor,- es ist zum Verzweifelnl 159. Froh und vergn�gt sind die andern, gedr�ckt und traurig bin ich! 160. Umsichtig sind sie, voll munteren Strebens, bei mir aber r�hrt sich nichts. 161. Unruhig, ach, wie die Wogen des Meeres, so walle ich dahin. 162. Mich wirbelt das Leben umher, als ob ich haltlos w�re. 163. Das Leben der anderen hat Sinn und Zweck, das meine nur scheint unn�tz und leer. 164. Ich allein bin anders als alle anderen;- doch sei still, mein Herz: Du lebst am Herzen der Weltenmutter. |
21. Vom Vertrauen in die wirkenden Innenkr�fte |
165. Der F�hrungskraft h�chstes Ziel ist Gehorsam gegen�ber dem Unergr�ndlichen. 166. Wie das Unergr�ndliche wirkt, wird niemandem kund. 167. In unerkennbarer und nicht fa�barer Weyse erwirkt es die geistigen Kr�fte; 168. in unerkennbarer und nicht fa�barer Weise erwirkt es die Formkr�fte; 169. in unfa�barer und nicht ergr�ndbarer Tiefe tr�gt es die Keimkr�fte in sich. 170. Die Keimkr�fte erwirken die Wirklichkeit, sie selber sind von der letzten Wirklichkeit erwirkt. 171. Diese, nie ihr Wesen offenbarend, erwirkt den Ursprung des Seyns. 172. Woher wei?ich dies? 173. Eben durch sie. |
22. Das Gesetz des inneren Ausgleichs |
174. Was unvollkommen ist, wird vollkommen werden; 175. was krumm, gerade; 176. was leer, voll; 177. wenn sich etwas l�st, wird Neues werden; 178. wo Mangel ist, wird F�lle werden; 179. wo F�lle ist, wird Mangel werden. 180. Der Weyse, das Unergr�ndliche in sich hegend, wird der Welt Vorbild: 181. Er achtet nicht auf sich- und wird beachtet. 182. Er k�mmert sich nicht um sich- und wird verehrt. 183. Er sucht nichts f�r sich- und hat Erfolg. 184. Er sorgt nicht um sich- und ist allem �berlegen. 185. Da er wunschlos ist, ist er unantastbar. 186. So ist viel Wahrheit in dem alten Wort: Was unvollkommen ist, wird vollkommen werden. 187. Der innere Zielwille unseres Lebens best�tigt es. |
23. Lebensmeisterung durch stilles Sicheinf�gen |
188. Wer wenig redet, findet die rechte Einstellung zu jedem Geschehen. 189. Er verzweifelt nicht, wenn Orkane toben; (denn er wei? sie gehen schnell vor�ber;) 190. auch ein Platzregen w�hrt nicht den ganzen Tag. 191. Himmel und Erde wirken beides. 192. Wenn diese schon keine Best�ndigkeit kennen, um wieviel weniger darf man vom Menschen Best�ndigkeit erwarten. (Daher kommt es immer auf die rechte Einstellung an; diese aber hei�t: sich still in alles Geschehen einf�gen.) 193. Wer sich in seinem Tun vom Unergr�ndlichen bestimmen l��t, wird eins mit ihm. 194. Wer sich in seinem Tun von seinem innersten Wesen bestimmen l��t, wird eins mit sich selbst. 195. Wer sich in seinem Tun von irgend etwas bestimmen l��t, wird eins mit diesem. 196. Wer sich in das Unergr�ndliche einf�gt, dem wird in dieser Einf�gung der Segen des Unergr�ndlichen. 197. Wer sich seinem innersten Wesen einf�gt, dem wird in dieser Einf�gung der Segen des Innersten. 198. Wer sich in irgend etwas einf�gt, dem wird in dieser Einf�gung Segen oder Fluch, je nach der Wesenheit dieses Irgend-etwas. 199. Jedem wird soviel Vertrauen, als er gibt. |
24. Nat�rlichkeit-Voraussetzung echten Lebens |
200. Wer auf den Zehen steht, kann nicht stehen. 201. Wer die Beine spreizt, kann nicht gehen. 202. Wer sich ins Licht stellt, kann nicht leuchten. 203. Wer nur sich gelten l��t, kann nichts gelten. 204. Wer sich selbst wichtig nimmt, hat kein Gewicht. 205. Wer sich selbst lobt, ist nicht gro? 206. Solch unnat�rliches Tun verabscheuen die himmlischen M�chte; auch der nat�rlich Empfindende verabscheut es. 207. Wer um seine W�rde wei? Tr�ger des Unergr�ndlichen zu Seyn, h�lt sich von solchem fern. |
25. Die Urkraft des Werdens |
208. Im unergr�ndlichen Grunde liegt die Urwesenheit. 209. Sie war, ehe Himmel und Erde waren, ohne Bewegung, ohne Gestalt, noch werdefrei in der Ganzheit des Wesens, ohne Widerstand alles erf�llend: Mutter des Himmels und der Erde. 210. Unbegreitbar und unnennbar ist sie. 211. Ich bezeichne sie als das Unergr�ndliche. 212. Ich kann sie (um eine begriffiiche Fa�ung ringend,) auch als das Gro�e bezeichnen. 213. Damit meine ich: ihr ewig Quellendes, 214. und mit diesem meine ich: ihr Unaufh�rliches, 215. und mit diesem: den erst in alLen Fernen des Unendlichen sich schlie�enden Kreislauf des Werdens. 216. Gro?ist das Unergr�ndliche;- doch auch der Himmel, die Erde und der K�nig sind gro? 217. Dies sind vier Gr��en, die uns gegeben sind; der K�nig ist nur eine von ihnen. 218. Er ist als Mensch an die Gesetze der Erde gebunden. 219. Die Erde ist den Gesetzen des Himmels eingef�gt. 220. Der Himmel folgt dem Gesetz des Unergr�ndlichen. 221. Dieses aber ist sich selbst Gesetz. |
26. Meisterung des Lebens durch stille W�rde |
222. Wer das Schwere willig tr�gt, meistert auch das weniger Schwere. 223. Wer die Ruhe stets bewahrt, ist Herr jeder Unruhe. 224. Daher tr�gt der Weyse willig seiner Erdenwanderung Last, l��t sich nicht durch gl�nzende Aussichten beirren und geht in Ruhe und W�rde seinen einsamen Weg. 225. Der weltliche Gro�e aber, der oberfl�chlich dahinlebt, lockert durch seinen Leichtsinn das Gef�ge der Gemeinschaft, zerst�rt durch seine Unruhe die Ordnung des Reichs -- und wird daher sein Reich verlieren. |
27. Wirkliches K�nnen wirkt echte Bildung |
226. Ein guter Wanderer hinterl��t keine Spur. 227. Ein guter Redner gibt sich keine Bi��e. 228. Ein guter Rechner bedarf keiner Rechenst�bchen. 229. Ein guter Schlie�er braucht nicht Riegel noch Bolzen, und doch kann niemand �ffnen. 230. Ein guter Binder bindet nicht mit Band und Strick, und doch kann keiner l�sen. 231. So vermag auch der Weyse in seinem Reifseyn den Menschen immer zu helfen; f�r ihn ist keiner ganz verloren. 232. Er vermag alles Seyende zu f�rdern; f�r ihn ist nichts Verwerfliches im Seyn. 233. Das ist aller Menschengestaltung doppeltes Geheimnis: Der Reife vermag immer nur dem weniger Reifen zu helfen; der noch nicht Gebildete ist der Bildungsstoff des Bildners. 234. Daher begegne dem in Ehrerbietung, der reifer ist als Du, und umgib den mit Liebe, der Deiner noch bedarf. 235. Wer solches nicht tut, wei?nichts von echter Bildung. Das ist ein wichtiges Geheimnis. |
28. Herzenseinfalt die weltordnende Kraft |
236. Wer kraftvoll in seinem Mannestum wurzelt und zugleich empf�nglich ist wie ein Weib: in dem vermag das str�mende Leben zu gr�nden. 237. Ist er das Strombett der Welt, so werden die in seinem Selbst wirkenden Kr�fte ihn nie verlassen: er kehrt zu des Kindes Urspr�nglichkeit zur�ck. 238. Wer vom Licht der Erkenntnis durchdrungen dennoch im Dunklen bleibt, wird zur Leuchte der Welt. 239. Ist er Leuchte der Welt, wird er von des Lichtes M�chten nie verlassen: er kehrt zum Urgrund des Lebens zur�ck. 240. Wer um seine innere Gr��e wei?br> und dennoch bescheiden bleibt, durch den vermag die Welt zu werden. 241. Wird die Welt durch ihn, wird der quellenden Kr�fte in ihm kein Ende sein: er hat seines Herzens Einfalt wieder gefunden. 242. Breitet sich die Herzenseinfalt unter den Menschen aus, so verm�gen diese das Unergr�ndliche wieder zu fassen. 243. Der Weyse setzt solche Menschen als Vorgesetzte und Verwalter ein. 244. Durch solche Verwaltung wird die Welt unmerklich geordnet. 245. Echte Macht w�chst aus sich selbst. |
29. Machtpolitik zerst�rt, Verzicht auf Gewalt baut auf |
246. Die Erfahrung zeigt, da?man sich die Welt nicht willentlich unterjochen kann. 247. Die Welt ist ein sich selbst bildendes geistiges Ganzes. 248. Sie mit Gewalt ordnen zu wollen, hei�t, sie aus der Ordnung bringen. 249. Sie mit Macht befestigen zu wollen, hei�t, sie zerst�ren. 250. Denn alle ihre Glieder haben ihr eigenes Gesetz: die einen m��en voranst�rmen, die andern verharren; die einen schweigen, die andern prahlen; die einen sind selbst stark, die andern m��en gest�tzt werden; die einen siegen im Lebenskampf, die andern unterliegen. 251. Der Weyse erzwingt daher nichts, er �berhebt sich nicht und greift nicht mit Gewalt ein. |
30. Gewaltlosigkeit Voraussetzung jeder Friedenspolitik |
252. Der Herrscher, der den Ordnungsgesetzen des Alls folgt, sucht nicht die Welt mit Gewalt zu beherrschen; denn er wei? es f�llt alles auf einen selbst zur�ck. 253. Schlachtfelder erzeugen nur Dornen und Disteln; Kriege bringen nur Elend und Not. 254. Darum steht der Weyse zwar in steter Bereitschaft, aber er erzwingt nichts mit Gewalt. 255. Er kennt nicht Ehrsucht noch Ruhm, masst sich nichts an, strebt nicht nach Macht. 256. Er tut das Notwendige, das Not wendet. 257. Alle seine Entscheidungen sind fern von Gewalt. 258. Er wei?um den Rhythmus des Werdens, wei? da?alles, was den Gesetzen innersten Lebens widerspricht, zerbricht, da?alles Wesenlose rasch zerf�llt. |
31. Von der Verachtung �u�erer Machtmittel |
259. Auch die trefflichsten Waffen sind Werkzeuge des Unheils, der wesentliche Mensch mu?sie verachten. 260. Wer um seine letzte Verpflichtung wei? bedient sich ihrer nicht. 261. Der Edle sch�tzt im Frieden zwar die g�tige Linke, im Krieg aber bedarf er der starken Rechten; 262. doch immer bleiben ihm Waffen Ger�te des Unheils, denn sie sind keines Edlen w�rdig. 263. Nur wenn man ihn zwingt, gebraucht er sie. 264. Doch auch im aufgezwungenen Kampfe bleiben ihm Ruhe und Friede das h�chste. 265. Siegt er, so kann er sich nicht freuen; Freude am Sieg w�re ihm Freude am Menschenmord. 266. Wer sich am Hinschlachten der Menschen freut, kann seines Lebens Sinn nicht erf�llen. 267. In guten Zeiten sch�tzt man die Linke, in schlechten die Rechte, (beide haben ihr eigenes Gesetz). 268. Auch beim Heer bleibt der Unterf�hrer links, der Feldherr steht rechts. 269. So ist es auch Sitte bei einer Leichenfeier. 270. Wenn viele gefallen, das Volk mit Schmerz und Trauer erf�llt ist, geht der rechte Sieger in sich gekehrt an der Seite des Volkes wie bei einer Trauerfeier. |
32. Von der Unscheinbarkeit des Unbegreiflichen im Begreiflichen |
271. Das Unergr�ndliche ist nie zu ergr�nden. 272. Unscheinbar ist es, trotz seiner Urspr�nglichkeit; die Welt kann mit ihm nichts anfangen. 273. W�rden es F�rsten und K�nige in sich tragen, alle Gesch�pfe w�rden von selbst zur Huldigung erscheinen; Himmel und Erde w�rden vor Freude lieblichen Tau spenden, und die Menschen w�rden auch ohne Regierung geordnet leben. 274. Gewinnt das Unbegreifliche Gestalt, so kann es begrifflich erfasst werden. 275. Die Begriffe sind aber nur Hinweise auf das Nichtzubegreifende; man bleibe sich stets ihrer Beschr�nktheit bewusst. 276. Bleibt man sich ihrer Beschr�nktheit bewusst, so besteht keine Gefahr. 277. Dann gleicht das Verh�ltnis des Begreiflichen zum Unbegreiflichen den B�chen und kleinen Seen, die den Str�men und Meeren zuflie�en. |
33. Echtes Gebildetsein �berwindet den Tod |
278. Klug ist, wer andere durchschaut, weise, wer sich selbst durchschaut. 279. Kraft beweist, wer andre zwingt, Art jedoch, wer sich selbst bezwingt. 280. Willen hat, wer Herr seines Tuns ist, Reichtum aber, wer zufrieden bleibt. 281. Standhaft ist, wer an seinem Platz verharrt, wahrhaft lebt, wer im Tod besteht. |
34. Wahre Gr��e offenbart sich im Dienen |
282. O du �berstr�mendes, alles �berflutendes Wesenl 283. Durch Dich ist das All. 284. In Dir leben alle Wesen. 285. Du versagst Dich keinem. 286. Du alles wirkende, alles f�rdernde, alles ern�hrende Weltenmutter, Du ewige Dienerin des Lebensl 287. Nie strebst Du nach Ruhm. 288. Klein erscheinst Du denen, die Dein anspruchsloses Dienen nicht erfassen. 289. Gro?aber bist Du, wenn alle Dinge in Dich zur�ckkehrenl 290. Und dennoch geb�rdest Du Dich nicht als Herrin. 291. So dient auch der Weyse Seyn Leben lang, nie nach Gr��e fragend, doch Gro�es wirkend. |
35. Unersch�pfliche F�lle wird nur durch Hingabe |
292. Wer den Bildekr�ften sch�pferischen Lebens in sich Raum gibt, zu dem kommt das Wesentliche. 293. Es kommt und bleibt in ihm unantastbar, Frieden und stilles Reifen wirkend. 294. Musik und Schaust�cke locken nur den oberfl�chlichen Wanderer. 295. Das Unergr�ndliche reizt und lockt niemanden. 296. Sehen gen�gt nicht, um es zu schauen. 297. H�ren gen�gt nicht, um es in sich aufzunehmen. 298. Wer aber gehorsam bleibt, der findet seine Unersch�pflichkeit. |
36. Vom Wartenk�nnen bis zur Reife |
299. Was man einengen will, mu?man zuvor sich entfalten lassen. 300. Was man schw�chen will, mu?man zuvor sich erstarken lassen. 301. Was man fallen lassen will, mu?man zuvor erh�ht haben. 302. Was man nehmen will, mu?man zuvor gegeben haben. 303. Das Ausreifenlassen ist ein tiefes Geheimnis: 304. Das Schwache und Biegsame ist immer st�rker und widerstandsf�higer als das Starke und Starre. 305. Doch wie der Fisch in seinem Element gelassen werden mu? so mu?auch der Herrscher im Bereich dieses Geheimnisses bleiben, wenn er sein Reich f�rdern will. |
37. Wunschlosigkeit und Frieden wirken der Welt Vollkommenheit |
306. Im Unergr�ndlichen ist kein Wirken, und doch wirkt das Nichtwirkende alles. 307. Wenn F�rsten und K�nige sich ebenso von ihm bestimmen lie�en, w�rde sich alles zum Besten gestalten. 308. Und wenn die Menschen dennoch W�nsche h�tten, so w�rde ich sie durch Herzenseinfalt �berzeugen. 309. Herzenseinfalt f�hrt zur Wunschlosigkeit. 310. Wo Wunschlosigkeit ist, ist Friede. 311. Wo Friede ist, ordnet sich die Welt von selbst. |
38. Hohe und nledere Formen sittlichen Wirkens |
312. Wer aus dem Allgrund seiner Seele lebt, wird sich dessen nicht bewusst; darum quellen die innersten Kr�fte unmittelbar aus ihm. 313. Wer aus einem Teilbereich seiner Seele lebt, m�chte zwar von innen her wirken, kann es aber nicht; die innersten Kr�fte quellen nicht aus ihm. 314. Wer aus dem Allgrund seiner Seele lebt, wird sich seines Tuns nicht bewusst; er kennt kein eigenwilliges Wirken. 315. Wer aus einem Teilbereich seiner Seele lebt, handelt ichhaft; er fragt stets nach Sinn und Zweck. 316. Liebe dr�ngt zwar zum Handeln, aber sucht nichts f�r sich. 317. Gerechtigkeit dr�ngt auch zum Tun, fordert aber Geltung. 318. Blo�e Moral mu?ebenfalls wirken; folgt man der �ffentlichen Meinung nicht, zwingt sie einen dazu. Darum erkenne: 319. Wer nicht mehr im Unergr�ndlichen gr�nden kann, der lebe aus seines Herzens Urspr�nglichkeit. 320. Wer seines Herzens Urspr�nglichkeit verlor, der lebe aus der Liebe. 321. Wer nicht mehr liebend zu leben vermag, der handle wenigstens gerecht. 322. Wer selbst dies nicht mehr kann, der lasse sich von Brauchtum und Sitte b�ndigen. 323. Das Abh�ngigwerden von der �ffentlichen Moral ist aber die unterste Stufe der Sittlichkeit, schon Ausdruck des Zerfalls. 324. Wer dann noch glaubt, durch Verstandesbildung einen Ausgleich f�r die Herzensbildung schaffen zu k�nnen, der ist ein Tor. Darum merke Dir: 325. Der echte Mensch folgt seinem innersten Gesetz 326. und keinem �u�eren Gebot; 327. er h�lt sich an den Quell und nicht an die Abw�sser; 328. er meidet diese und sucht immer das Urspr�ngliche. |
39. Das Einfach-Eine - Wurzel aller Vielgestaltigkeit im Sein |
329. Alles hohe Seyn ist Ausgliederung aus dem All-Einen, in sich selber wieder eins: 330. Der Himmel erlangte die Einheit, daher seine klare Ordnung. 331. Die Erde erlangte die Einheit, daher ihre Festigkeit. 332. Die geistigen Kr�fte erlangten die Einheit, daher ihre Wirksamkeit. 333. Alles Empf�ngliche erlangte die Einheit, daher seine Erf�llung. 334. Alles Lebendige erlangte die Einheit, daher seine Fruchtbarkeit. 335. Selbst die Herrscher erlangten die Einheit, daher ihre Vorbildlichkeit. 336. Alles ist durch die Einheit bewirkt. Ohne klare Ordnung w�rde der Himmel wohl rei�en. 337. Ohne ihre Festigkeit m�sste sich die Erde wohl aufl�sen. 338. Ohne ihre Wirksamkeit w�rden die geistigen Gestaitungskr�fte wohl versagen. 339. Ohne seine Erf�llung bliebe alles Empf�ngliche wohl leer. 340. Ohne seine Fruchtbarkeit m�sste alles Lebendige wohl vergehen. 341. Ohne ihr vorbildliches Wirken w�rden die Herrscher wohl gest�rzt werden. 342. Der Weyse wei? da?alles Edle im Einfachen wurzelt, da?alles Erhabene sich auf Niedrigem aufbaut. 343. Daher betrachten sich auch die F�rsten und K�nige als hilflose, verlassene und geringe Diener, wissend, da?auch sie im Einfach-Einen gr�nden. 344. Oder stimmt es nicht? 345. (Alles mu?in seiner wesenhaften Einheit bleiben:) Wer einen Wagen zerlegt, hat keinen Wagen mehr. 346. Wer wie ein Edelstein gl�nzen will, ist nicht echt und f�llt doch nur, gleich einem gew�hnlichen Stein, t�nend herab. |
40. Der Kreislauf des Werdens |
347. Was sich aus dem Urgrund erhebt, kehrt in den Urgrund zur�ck. 348. Gelassen wirkt das Unergr�ndliche. 349. Aus dem Allgrund des Seyns wallen die Wesen zum Leben. 350. Aus dem Allgrund des Nichtseyns erhebt sich das Seyn. |
41. Das Erf�lltsein alles Seienden vom Unergr�ndlichen |
351. Der wirkliche Weyse, das Unergr�ndliche erkennend, sucht es zu verwirklichen. 352. Der in seinem Streben nach Weisheit noch Schwankende folgt ihm nur dann und wann. 353. Der nur von Weisheit Redende nimmt es nicht ernst. Erschiene es ihm nicht t�richt, w�re es nicht das Letzte. Daher sagte einst ein Dichter: 354. Der vom inneren Lichte Erleuchtete erscheint im Licht der Welt dunkel. 355. Der innerlich Fortschreitende erscheint r�ckschrittlich. 356. Der innerlich Ausgeglichene erscheint unbrauchbar. 357. Wer seinem h�chsten Selbst vertraut, geht nach der Welt Meinung zugrunde. 358. Wer rein bleibt, gilt als einf�ltig und dumm. 359. Wer kraft seines Selbstes duidsam alles zu verstehen sich bem�ht, gilt als charakterlos. 360. Wer kraftvoll in seinem Selbst wurzelt, gilt als Eigenbr�dler. 361. Wer aus seinem Herzen lebt, gilt als unberechenbar. 362. Das Unergr�ndliche gleicht: einem unendlichen Viereck ohne Ecken, 363. einem Gef�� von unendlicher Gr��e, das nichts fa�t, 364. einem Laut von unendlichen Schwingungen, den man nicht h�rt, 365. einem Bild von unendlicher Gr��e, das nicht erschaut werden kann. 366. Wenn auch das Unergr�ndliche nicht zu erkennen und nicht zu benennen ist, es erf�llt, wirkt und vollendet doch alles. |
42. Die Selbstentfaltung des Seins |
367. Aus dem Unergr�ndlichen erquoll das Eine. 368. Aus dem Einen ward das Zweite. 369. Aus dem Zweiten ward das Dritte. 370. Das Dritte erzeugte das Viele. 371. Alies Lebendige geht aus dem Dunklen hervor und strebt nach dem Licht. 372. Des Lebens Wesenheit bewirkt den steten Einklang beider Kr�fte. 373. Kein Mensch will einsam, verlassen und gering sein; F�rsten und K�nige aber bezeichnen sich gern so; denn sie wissen um das Geheimnis, da?das, was nichts gilt, erhoben wird, da?das, was gilt, zerf�llt. 374. Also lehre ich auch, was schon die andern lehrten: Immer stirbt, bevor er stirbt, wer eigenwillig handelt. 375. Das ist der Ausgangspunkt meiner Lehre. |
43. Von der Wirksamkeit des Unscheinbaren |
376. Das Allerweichste �berwindet das H�rteste auf Erden. 377. Das Leere durchdringt selbst das Dichteste. 378. Darin offenbart sich die hohe Wirksamkeit des Nichtwirkens. 379. Freilich: Wenige in der Welt wissen um das Geheimnis schweigender Belehrung und nichtwirkenwollenden Wirkens. |
44. Selbstbegrenzung wirkt Best�ndigkeit |
380. Was bedeutet mir mehr: der Familienname oder mein Wesen? 381. Was ist mir n�her: mein innerstes Selbst oder der �u�ere Besitz? 382. Was bringt mir mehr Pein: Gewinn oder Verlust? 383. Wer sein Herz an etwas h�ngt, �ber den kommt das Verh�ngnis. 384. Wer nach Sch�tzen strebt, der wird sich versch�tzen. 385. Wer zufrieden bleibt, mit dem wird man zufrieden sein. 386. Wer seine Grenzen beachtet, kommt nicht in Gefahr. 387. Dies f�hrt zu wahrer innerer und �u�erer Best�ndigkeit. |
45. Vom Zielwillen des Lebens und vom Richtmaa?der Welt |
388. Was sich vollendet, erscheint oft wie unvollkommen, und doch wirkt seine verborgene Zielkraft unaufh�rlich. 389. Was wirkliche F�lle besitzt, scheint sich stets zu verstr�men, und doch bleibt es unersch�pflich. 390. Das Gerade erscheint oft wie krumm, 391. gro�e Geschicklichkeit wie Ungeschick, 392. wirkliche Kunst wie ein Stammeln. 393. Bewegung �berwindet die K�lte, Stille die Hitze. 394. Immer bleibt das Reine und Echte Richtmaa? der Welt. |
46. Gen�gsamkeit erh�lt den Frieden |
395. Lebt die Gemeinschaft in Ordnung, ziehen die Ro�e den Pflug. 396. Verliert sie ihr inn'res Gesetz, steh'n sie zum Kriege bereit. 397. Gr��ere S�nde gibt's nimmer als Billigung zuchtloser Gier. 398. Gr��eres �bel gibt's nimmer als niemals sich lassen gen�gen. 399. Gr��eres Unheil gibt's nimmer als Ehrsucht und Drang nach Erfolg. 400. Nur wer sich zufrieden gibt, hat dauernden Frieden im Land. |
47. Der Weg zur Menschen- und Welterkenntnis |
401. Um die Welt zu erkennen, brauch' ich nicht in sie zu gehen. 402. Das Geheimnis der Welt kann ich erschauen, ohne aus dem Fenster zu sehen. 403. Je weiter einer in die Ferne schweift, um so geringer wird sein Erkennen. 404. Der Weyse kommt zu seiner Erkenntnis ohne Wissensdrang; 405. er kommt an Seyn Ziel ohne Anstrengung; 406. er vollendet seinen Weg m�helos. |
48. Nichtwirkenwollen f�rdert die Gemeinschaft |
407. Wissen dr�ngt t�glich nach gr��erem Wissen. 408. Wer dem Unergr�ndlichen gehorsam ist, wird t�glich bescheidener. 409. Er gelangt zum Nichtwollen und endet im Nichtwirken. 410. Im selbstlosen Gehorsam bleibt nichts ungetan. 411. So w�chst auch ein Reich aus sich selber heraus; eigenwillige Umtriebe aber zerst�ren es. |
49. Vom Leben im Herzen der Welt |
412. Der Weyse hat kein selbsts�chtiges Herz, unvoreingenommen nimmt er die Herzen der anderen in sich auf. 413. Er ist gut zu den Guten und gut zu den Nichtguten; denn seein innerstes Wesen l��t ihn nur g�tig sein. 414. Er ist ehrlich zu den Ehrlichen und ehrlich zu den Nichtehrlichen; denn sein innerstes Wesen l��t ihn nur ehrlich sein. 415. Er lebt zwar zur�ckgezogen, doch er bleibt weltweit dem Leben ge�ffnet. 416. Der Menschen Augen und Ohren m�gen verwundert auf ihn gerichtet sein,- er sieht in allen nur seine Kinder. |
50. Erkenntnis der Lebensgesetze gibt Furchtlosigkeit |
417. Ausgang aus dem Nichtseienden in das Seiende ist Geburt; Heimkehr in das Nichtseiende ist Tod. 418. Drei von zehn suchen ihre Seligkeit im Leben, 419. drei von zehn suchen sie im Sterben, 420. drei von zehn klammern sich an die Freuden des Lebens und geben sich gerade dadurch dem Tod in die Hand. 421. Warum ist es so? 422. Weil jeder auf seine Weyse des Lebens Erf�llung sucht. 423. Ich aber h�rte, da?der Weyse, um das wirkliche Geheimnis des Lebens wissend, auf seiner Wanderschaft nicht Nashorn noch Tiger f�rchtet, und durch k�mpfende Heere ohne Waffen und R�stung schreitet. 424. Das Nashorn f�nde keinen Angriffspunkt f�r sein Horn, der Tiger keinen f�r seine Tatzen, die Feinde keinen f�r ihre Schwerter. 425. Warum? Weil er unantastbar ist, weil es f�r ihn keinen Tod gibt. |
51. Die Wirkungskraft innerlich kraftvollen Lebens |
426. Aus dem Unergr�ndlichen steigt das Leben auf, 427. erhalten wird es durch die Urkraft des Lebens, 428. offenbar wird es durch das Leibhafte, 429. vollendet durch den Zielwillen des Lebens. 430. Daher verehren die Lebenden das Unergr�ndliche, nicht, weil es die Pflicht geb�te, sondern weil es ihr Inneres so will. 431. Denn das Unergr�ndliche gibt allem das Leben: es l��t im Fr�hling alles werden und wachsen, ern�hrt und erh�lt es im Sommer, l��t es im Herbst reifen und vollenden, sch�tzt es im Winter. 432. Erzeugen, ohne etwas daf�r haben zu wollen, dem Leben zu dienen, ohne etwas zu erwarten, es zu f�rdern, ohne es beherrschen zu wollen: Das ist das Geheimnis innerlich kraftvollen Lebens. |
52. Von der Kraft schweigenden Lebens |
433. Das Unergr�ndliche ist der Mutterscho?der Welt. 434. Wer seine Mutter erkennt, wei?um seine Kindschaft; 435. wer sich als Kind erkannt, lebt der Mutter Leben; 436. er sieht in seinem Untergang einmal keine Gefahr. 437. Wer verhaltener Sinne bleibt und seine Kr�fte wahrt, der ersch�pft sich nicht. 438. Wer sich aber ausgibt und sich umtriebig in alles mischt, der lebt vergeblich. 439. Wer sich bewusst ist, nur ein F�nklein zu Seyn, der ist erleuchtet. 440. Wer als Werdender weich und schmiegsam bleibt, der ist stark. 441. Wer so erleuchtet in des Lichtes Ursprung zur�ckkehrt, den trifft kein Untergang. 442. Unsterblich ist, wer im Wesen west und an keiner Gestait haftet. |
53. Echte Bildung kennt kein eigens�chtiges Wirken |
443. Wahre Bildung ist Herzensgehorsam dem Unergr�ndlichen gegen�ber. 444. Nichts f�rchte ich mehr als Betriebsamkeit. 445. Ins Unergr�ndliche f�hrt unmittelbar der innere Weg; doch die Menschen lieben ihre Eigenpfade: 446. Eigensucht ist es, wenn die Herrscher in gl�nzenden Schl��ern leben, w�hrend die Felder der Bauern verw�stet sind, und die Scheunen leer bleiben. 447. Eigensucht ist es, mit Kleidern zu protzen, mit Schmuck zu prunken, 448. mit Waffen zu prangen, bei Essen und Trinken zu pra�en 449. und Sch�tze zu horten. 450. Diebstahl ist alles, was auf Kosten anderer geht; es ist nicht im Sinn der letzten Wirklichkeit. |
54. Das Ordnungsgef�ge der Lebensgemeinschaften |
451. Was gut verwurzelt ist, wird nicht entwurzelt, 452. Was gut gef�hrt wird, wird nicht verf�hrt. 453. Was in der Kinder und Enkel Ged�chtnis lebt, wird nicht untergehen. 454. Wer dem wirkenden Selbst in sich gehorcht, der lebt echt. 455. Wer es in der Familie beachtet, dem wird des Lebens F�lle. 456. Wer es in der Gemeinde beachtet, lernt Best�ndigkeit. 457. Wer es im Volk beachtet, erkennt, da?es auf die innere M�chtigkeit ankommt. 458. Wer es in der Menschheit beachtet, findet es als das Allumfassende. Darum: 459. Nach Deiner eigenen Reife erkenne die andern. 460. Nach der Reife Deiner Familie mi?die andern Familien. 461. Deine Gemeinde sei der Ma�stab f�r die andern Gemeinden. 462. An Deinem Volk mi?die andern V�lker. 463. Nach Deiner Menschlichkeit beurteile die Menschheit. 464. Wodurch erkenne ich dieses Ordnungsgesetz in der Welt? 465. Durch es selber. |
55. Das Kind-Vorbild der Selbstordnung des Lebens |
466. Wer aus seines Ursprungs F�lle lebt, der gleicht dem neugeborenen Kinde. 467. Giftige Nattern bei�en es nicht, wildes Getier zerreisst es nicht, Raubvogel-F�nge ersto�en es nicht. 468. Weich sind noch seine Knochen und die Muskeln zart, doch schon fest ist sein Griff. 469. Es ist sich der Geschlechter noch nicht bewusst und hat doch Geschlecht, und seines Geschlechtes Keimkr�fte ruhen in ihm. 470. Es kann den ganzen Tag schreien und wird doch nicht heiser: Vollendeter Einklang! 471. Die zum Einklang dr�ngende Kraft des Lebens erkennen, hei�t: Seyn Unverg�ngliches finden; dieses finden, hei�t: erleuchtet sein. 472. Sich so von der Ganzheit des Lebens durchdringen lassen, das gibt Segen. 473. Eigenwillig aber seines Lebens Kr�fte zur Erh�hung des Genu�es zu verwenden, scheint zwar von St�rke zu zeugen; ist aber T�uschung. 474. Alles eigenwillige Handeln ist widersinnig. 475. Was nicht echt ist, das zerf�llt. |
56. Die stillordnende Kraft des Weisen |
476. Wer erkennt, schweigt. Wer schw�tzt, erkennt nicht. 477. Der Weyse schweigt. Er kehrt sich nach innen. 478. Er mildert das Scharfe, kl�rt das Wirre, d�mpft das Grelle, macht sich eins mit dem Unscheinbaren. 479. So wird er des Letzten inne und findet das gro�e Einssein. 480. Er h�lt sich frei von Zuneigung und Abneigung, fragt nicht nach Gewinn oder Verlust, steht �ber der Ehre und der Schande. 481. Darum ist ihm wirklich Adel eigen. |
57. Nichtwirkenwollen Grundgesetz jeder Staatsf�hrung |
482. Durch Unbestechlichkeit f�rdert man des Landes Verwaltung, 483. mit Klugheit f�hrt man ein Heer, 484. mit Nichtwollen aber gewinnt man ein Reich. 485. Woher wei?ich, da?es so ist? Es ergibt sich von selbst. 486. Ein Volk wird arm, in dem Verbote Worte und Handlungen bestimmen. 487. Jede Ordnung l�st sich auf, wenn die Menschen nur ihr eigenes Wohlergehen suchen. 488. Umsturz bereitet sich vor, wenn die Menschen berechnend und absonderlich werden. 489. Diebe und R�uber wird es geben, wenn man mit Gesetzen und Befehlen glaubt Ordnung schaffen zu m��en. Daher sagt der Weyse: 490. Ich wirke nicht, so entfaltet sich das Leben in der Gemeinschaft von selbst. 491. Ich bleibe in der Stille, so wird das Volk von selber recht. Ich greife nicht in die Wirt-schaft ein, so bl�ht das Volk von selber auf. 492. Ich bin ohne Begehr, so wird das Volk von selbst gesunden. |
58. Das Geheimnis gegens�tzlichen Werdens |
493. Eine Verwaltung, die man nicht merkt, macht das Volk froh. 494. Eine Verwaltung, die alles bestimmen will, macht das Volk schlecht. 495. Gl�ck ruht auf Leid. Leid harrt im Gl�ck. Wer wei? was eintreffen wird? 496. Ordnung f�hrt zu Unordnung. Gutes verkehrt sich in Schlechtes. 497. Der Mensch erkennt in seiner Verblendung nicht den Wechsel aller Dinge. 498. Der Weyse ist: rechtwinklig von Art - doch st�sst nicht an, unantastbar - doch nicht unnahbar, offen und gerade - doch nicht verietzend, leuchtend - doch nicht blendend. |
59. Staatssicherung durch geordnetes Planen |
499. Wer die Menschen im Einklang mit den Ordnungen des Alls f�hrt, der wei?um die Notwendigkeit f�rsorglichen M�hens. 500. Weitsichtige F�rsorge zwingt zu kluger Planung. 501. Kluge Planung st�rkt die selbstwirkenden Kr�fte. 502. Wer diese Kr�fte vermehrt, ist jeder Lage gewachsen. 503. Wer jeder Lage gewachsen ist, kann in seinen Wirkungsm�glichkeiten nicht erfa�t werden. 504. Wer mehr Kr�fte besitzt, als er zeigt, der kann ein Reich f�hren. 505. Wer so sein Reich nach den gro�en Ordnungen f�hrt, wird nicht versagen: 506. Er gr�ndet tief und ist festgef�gt, er handelt, das Wesentliche schauend, im Sinn des Unergr�ndlichen. |
60. Sorgfalt und Lebensgehorsam in der Staatsf�hrung |
507. So sorgf�ltig wie man kleine Fische br�t, mu?man ein gro�es Reich regieren. 508. Wenn ein Reich im Geist des Unergr�ndlichen regiert wird, dann spuken keine finsteren Gewalten. 509. Nicht nur spuken keine finsteren Gewalten, es geistern auch keine Unsichtbaren. 510. Nicht da?beide nicht mehr vorhanden w�ren, sondern sie k�nnen nicht mehr st�rend wirksam werden - so wenig, wie je ein Weyser st�rend wirksam seinn kann. 511. Wenn die finsteren Gewalten und die unsichtbaren Geister nicht mehr wirksam werden k�nnen, dann k�nnen sich die besten Kr�fte im Menschen entfalten. |
61. Gegenseitige Hilfsbereitschaft der Staaten |
512. Ein gro�es Reich soll wie ein tiefes Talbecken seinn (in das die Fl��e str�men): Heimat der V�lker, Mutter der kleinen L�nder. 513. So wie im Menschenleben das Weibliche immer das M�nnliche durch seine Empf�nglichkeit und sein Sichf�gen b�ndigt, 514. b�ndigt im Staatsleben immer der Staat den andern, der f�r den andern empf�nglich ist. 515. Empf�nglichkeit ist immer �berlegensein, gleichg�ltig, ob der Staat gro?oder klein ist. 516. Wenn der gro�e Staat nichts will, als nur alles zu einen und zu f�rdern, 517. und der kleine Staat, ebenso alles f�rdern wollend, auch nur das Gesamtwohl sieht, 518. so gewinnen in dieser st�ndigen Bereitschaft f�reinander beide M�chte. 519. Wahre Gr��e offenbart sich immer und �berall nur in tiefer Empf�nglichkeit und g�tiger Hilfe. |
62. Wiedereinf�gung der aus der Gemeinschaft Gel�sten |
520. Das Unergr�ndliche ist die Heimat aller Wesen, es ist der Hort der Guten und der Zufluchtsort der Nichtguten. 521. Man mag fromme und sch�ne Worte gebrauchen, doch nur edle Taten helfen dem Menschen zu seiner Vollendung. 522. Ist es aber edel, einen �schlechten?Menschen zu verwerfen? 523. Wozu wurde der Herrscher mit seinen Staatsm�nnern eingesetzt? 524. Des Kaisers W�rde und der Staatsm�nner Pracht kommen nicht der beharrlichen M�he gleich, den Geist des Unergr�ndiichen zu verwirklichen. 525. Warum hielten denn die Alten so verehrend am Unergr�ndlichen fest? 526. Ist es nicht, weil jeder, der nach ihm strebt, das Unverg�ngliche findet; 527. ist es nicht, weil jedem Irrenden Heilung und Heyl werden soll? 528. Darum ist das Unergr�ndiiche des Lebens h�chstes Gut. |
63. Aufgabenmeisterung durch rechtzeitiges Erkennen der Schwieriigkeiten |
529. Wirkt durch Nichtwirken! Handelt durch Nichthandeln! 530. Findet Geschmack an dem, was keinen Genu?birgt! 531. Sehet das Gro�e im Kleinen, das Viele im Wenigen! 532. Begegnet dem Ha?mit der innerlichsten Kraft eurer Herzen! 533. Erkennet das Schwierige, ehe es schwierig ist! 534. La�t Gro�es werden, indem ihr das Kleine achtet! 535. Alles Schwierige auf Erden beginnt einfach, alles Gro�e beginnt klein. 536. So k�mmert sich auch der Weyse nicht um sein Heyl, darum findet er es. 537. Wer leichtfertig verspricht, ist nicht glaubw�rdig. 538. Wer leichtfertig handelt, dem erwachsen Schwierigkeiten. 539. Der Weyse erkennt rechtzeitig die Schwierigkeiten, darum vermeg er alles zu meistern. |
64. Lebensmeisterung durch Beachten der Lebensgesetze |
540. Was noch verharrt, kann leicht festgehalten werden. 541. Was noch nichts gilt, kann leicht beeinflusst werden. 542. Was noch schwach ist, kann leicht gebrochen werden. 543. Was noch federleicht ist, kann leicht verweht werden. 544. Bevor etwas wird, mu?man auf es wirken. 545. Bevor etwas verwirrt ist, mu?man es ordnen. 546. Jeder Riese unter den B�umen hatte einmal ein einziges Wurzelhaar. 547. Auch ein neunst�ckiger Bau erstand auf einer Scholle. 548. Eine Reise von tausend Meilen beginnt mit einem ersten Schritt. 549. Wer etwas (wider die Gesetze des Lebens) erreichen will, der mu?scheitern. 550. Wer etwas mit Gewalt gewinnen will, der mu?es verlieren. 551. Daher ist der Weyse nicht eigenwillig, und daher scheitert er auch nicht. 552. Er reisst nichts an sich, daher verliert er nichts. 553. Die andern scheitern oft kurz vor dem Ziel, weil sie nicht auf die rechte Stunde warten k�nnen. 554. W�rden sie Anfang und Ende bedenken, w�rde es ihnen auch gelingen. 555. Darum erstrebt der Weyse die Wunschlosigkeit; er erstrebt nichts, was andern erstrebenswert erscheint. 556. Ihm bedeutet Verstandeswissen nichts. 557. Was nicht beachtet wird, beachtet er. 558. So erwirkt er des Lebens Ordnung in sich und andern und st�rt niemals die Entwicklung aus sich selbst. |
65. Der Segen der Herzensbildung und die Gef�hrlichkeit der Scheinbildung |
559. Die Alten, im Unergr�ndlichen wurzelnd, (wu�ten um das Wesen der echten Bildung, darum) gaben (sie) dem Volke Herzens- und nicht Verstandesbildung. 560. F�r eine Staatsf�hrung gibt es nichts Gef�hrlicheres als ein aufgekl�rt erscheinendes Volk. 561. Einen Staat mit aufgekl�rten Massen lenken zu wollen, f�hrt zu Unheil. 562. Segen wird nur, wo man auf Scheinwissen verzichtet. 563. Wer dies beachtet, handelt vorbildlich. 564. Solch vorbildliches Wirken l��t einen stets auf dem rechten Wege sein. 565. Denn es wei?um die geheimnisvolle Macht aller selbstwirkenden Kr�fte, die den Massen immer fremd bleiben. 566. Der Gehorsam aber gegen�ber den selbstwirkenden Kr�ften bewirkt der Welt Ordnung. |
66. Nichtwollen, Voraussetzung wahren Herrschertums |
567. Str�me und Seen beherrschen die T�ler, weil sie deren Grund einnehmen. 568. Aus dem Urgrund zu wirken, ist Voraussetzung jeglichen Herrschertums. 569. Darum wird der weise Herrscher, wenn er wirklich �ber dem Volk stehen will, sich in seinen Worten bescheiden beugen, wenn er f�hren will, sein Ich verleugnen. 570. So herrscht er wahrhaft, und das Volk wird nicht bedr�ckt; er herrscht, ohne da?das Volk sich beeintr�chtigt f�hlt. 571. Alles folgt ihm gern und erh�ht ihn; jeder f�hlt sich geborgen und frei. 572. Nichts wollend, will auch niemand auf der Welt etwas von ihm. |
67. Die Wirksamkeit der sittlichen Grundwerte f�r die Gemeinschaft |
573. Die Menschen sagen, ich sei gro?- als ob ich etwas Besonderes w�re! 574. Nur der ist gro? dem seine Gr��e nichts bedeutet. 575. Wer vor andern gro?Seyn will, ist sicher klein. 576. Drei Werte habe ich, die mir heilig sind: der erste hei�t: G�te, der zweite: Gen�gsamkeit, der dritte: Bescheidenheit. 577. G�te gibt Kraft, Gen�gsamkeit gibt der Enge Weite, Bescheidenheit l��t einen zum Gef�� werden f�r das Wirken der ewigen Kr�fte. 578. Heute ist es meist so: Man kennt keine G�te mehr und glaubt dennoch Kraft haben zu k�nnen. Man besitzt keine Gen�gsamkeit mehr, sondern kennt nur Anspr�che. Man kann nicht mehr bescheiden zur�cktreten, sondern giert nach Erfolg. Das aber f�hrt zum Zerfall. 579. Wer wahrhaft g�tig ist, siegt im Kampf und ist un�berwindlich, wenn der Feind dr�ngt; ihn segnet der Himmel auch durch G�te. |
68. Herzgewirktes Tun wirkt Frieden |
580. Ein wirklicher Fachmann �berzeugt, aber streitet nicht. 581. Ein guter Soldat k�mpft, aber w�tet nicht. 582. Ein wahrer Sieger ist �berlegen, aber reizt nicht. 583. Ein rechter Menschenf�hrer stellt die Menschen auf den richtigen Platz, aber beherrscht sie nicht. 584. Solch herzgewirktes Tun wirkt Frieden. 585. Es enth�lt die hohe Kunst der Menschenf�hrung. 586. Es ist ein Wirken im Sinn des Himmels. 587. Solches Tun gilt seit Vorzeiten als h�chstes. |
69. Siege durch kluges Sichbescheiden |
588. Wer seinen Gegner gewinnen will, der spiele in Feindesland nicht den Hausherrn, sondern betrage sich wie ein Gast. 589. Er weiche lieber einen Fu?zur�ck, als da?er einen Zoll vorr�cke. 590. So kommt er voran, ohne zu marschieren. 591. So kann er zur�ckweisen, ohne zu drohen. 592. So kann er vordringen, ohne zu k�mpfen. 593. So kann er Besitz ergreifen, ohne die Waffen zu gebrauchen. 594. Es gibt kein gr��eres �bel, als den Feind zu untersch�tzen. 595. Wer den Feind leicht nimmt, verliert seine Sch�tze. 596. Sind die Heere gleich stark, siegt der besonnenere Feldherr. |
70. Geringe Zahl der Berufenen |
597. Das Wahre ist einfach zu verstehen und leicht zu befolgen, und doch h�rt es keiner und befolgt es niemand. 598. Wort und Werk wollen aus dem Urgrund aufsteigen. 599. Wer dies nicht erkennt, erkennt auch das Unergr�ndliche in meiner Lehre nicht. 600. Immer verstehen nur wenige das Tiefste, darin liegt auch meine W�rde. 601. Der Weyse tr�gt nach au�en ein unscheinbares Gewand, doch birgt er in seinem Inneren edelsten Schmuck. |
71. Freiheit vom Bildungswahn |
602. Wer um sein Nichtwissen wei? aus dem leuchtet der Adel des Geistes; wer darum nicht wei? ist in Wahn verstrickt. 603. Nicht verf�llt der dem Wahn, der den Wahn als solchen erkennt. 604. Der Weyse ist frei von allem Wahn. 605. seinen Wahn als Wahn erkannt habend, ist er ohne Wahn. |
72. Die Wechselwirkung alles Geschehens |
606. Wenn die Menschen das Grauen nicht f�rchten, �berf�llt sie das Grauen. 607. Aber man trage das Grauen nicht in ihre Heimstatt und mache ihnen das Leben nicht verdrie�lich. 608. Nie werden sie verdrie�lich, wenn man ihnen das Leben nicht verg�llt. 609. Obwohl der Weyse seinen Wert kennt, tr�gt er ihn nicht zur Schau. 610. Obwohl er um seine W�rde wei? beansprucht er keine Ehre. 611. Er wei?zwar um seine M�glichkeiten, bleibt aber in seinen Grenzen. |
73. H�chste Sittlichkeit Wegweiser bei jedem Zweifel |
612. Wer mutig wagt, der wagt auch zu t�ten. 613. Wer mutig genug ist, (in den Augen der andern) feig zu gelten, der wagt auch ein Leben zu erhalten. 614. T�ten und lebenlassen - beides ist manchmal gut, manchmal schlecht. 615. Wer wagt zu wissen, welches Urteil von den ewigen M�chten anerkannt wird? 616. Der Weyse wei?es nicht. (Im Zweifel erinnert er sich des Wirkens des Unergr�ndlichen.) 617. Das Unergr�ndliche aber offenbart sich immer so: 618. es setzt sich durch - ohne Gewalt, 619. es gebietet - ohne Befehl, 620. es lockt - doch dr�ngt nicht auf, 621. es wirkt zielbewusst - doch ohne Absicht. 622. Es ist ein Netz, weitmaschig zwar, doch nichts durchlassend. |
74. Vom Gericht �ber Leben und Tod |
623. Wenn das Volk den Tod nicht f�rchtet, wer wollte es dann mit Todesfurcht regieren? 624. F�rchtet es den Tod, und es wird dennoch ein abscheuliches Verbrechen begangen, wer getraute sich dann zu t?ten? 625. Es findet sich immer ein Gerichtsherr, der Todesurteile f�llt und vollstreckt. 626. Wer aber sich selbst zum Richter �ber Leben und Tod macht, der gleicht einem, der, an Stelle des Zimmermeisters die Axt benutzend, sich nur zu leicht selbst in die Hand haut. |
75. Die Ursachen politischer Unruhen |
627. Das Volk leidet, wenn die Herrschenden es aussaugen, daher seine Not. 628. Das Volk grollt, wenn es die Herrschenden nicht in Ruhe lassen, daher seine Widerspenstigkeit. 629. Das Volk wird gleichg�ltig gegen�ber dem Tod, wenn sich die Herrschenden als Herren des Lebens aufspielen, daher der Lebens�berdru? 630. Doch der ist weiser, der nicht am Leben h�ngt, als der, der am Leben haftet. |
76. Die Wirkungskraft des Lebendigen |
631. Weich und zart ist der Mensch bei seiner Geburt, starr und kn�chern, wenn er stirbt. 632. Fein und biegsam sind die Pflanzen, wenn sie entstehen, hart und saftlos, wenn sie absterben. 633. Starr und hart ist, was dem Tod anheimf�llt, weich und zart ist, was vom Leben erf�llt ist. 634. Wer glaubt, nur durch Waffen stark sein zu k�nnen, wird nicht siegen; m�chtig scheinende B�ume sind immer am Ende. 635. Daher gilt: Was gro?und m�chtig scheint, ist schon auf dem Weg zum Zerfall, was aber unscheinbar, zart und weich ist, das w�chst. |
77. Selbstloses Tun schafft echten Ausgleich |
636. Des Himmels Wirken gleicht dem Spannen des Bogens: es macht das Hohe niedrig und das Niedrige hoch; es nimmt, wo zuviel ist, f�gt hinzu, wo zu wenig ist. 637. Immer ist des Himmels Wirken so: Er nimmt aus der F�lle und gibt sich der Leere. 638. Menschen handeln anders: sie nehmen, wo schon wenig ist, und f�gen hinzu, wo schon viel ist. 639. Wer im Unergr�ndlichen gr�ndet, schenkt der Gemeinschaft aus seiner F�lle. 640. Daher wirkt der Weyse, ohne etwas f�r sich zu beanspruchen, und ohne an seinem Werk zu haften. 641. Er will nichts seinn und nichts haben. |
78. Die Gr��e sittlich-religi�ser Tragkraft |
642. Es gibt in der Welt nichts, was sich mehr seinem Grunde einf�gt und weicher ist als Wasser, zugleich nichts, was st�rker ist und selbst das H�rteste besiegt; es ist unvergleichbar und unbezwingbar. 643. Da?das Schwache das Starke und das Weiche das Harte besiegt, wei?zwar jedermann, doch niemand lebt und wirkt darnech. 644. Nur der Weyse erkennt als wahr: �Wer bei den Erdopfern den Staub des Landes auf sich nimmt, der ist der Herr des Erdal-tars. 645. Wer des Reiches Schuld und Ungl�ck auf sich nimmt, der ist des Reiches Herr.?br> 646. Unangenehme Wahrheiten sind dies! |
79. Lebensgehorsam zeigt sich In Pflichterf�llung |
647. Was hilft es, wenn gro�er Ha?verschwunden ist, kleiner aber bleibt? 648. Der Weyse kennt daher bei einem Vertrag nur seine Pflichten, nie fordert er seinn Recht. 649. Wer seinem Innersten vertraut, denkt nur an seine Verpflichtungen und pocht nie auf sein Recht. 650. Die ewigen M�chte bevorzugen niemanden, sie segnen aber stets den Besten. |
80. Vom Eigenrecht des kleinsten Staates |
651. Ist ein Land auch klein und hat es nur wenige Bewohner, was liegt darant 652. Und h�tte es nur Ausr�stung f�r zehn bis hundert Mann, die ihre Waffen nicht einmal benutzten, man lasse seine Bewohner in Ruhe leben, man lasse sie auf ihrer Scholle sitzen. 653. Und ben�tzten sie ihre Schiffe und Streitwagen nicht und w�rden sie nie ihre Waffen und R�stungen gebrauchen, man lasse sie ruhig zum Brauchtum ihrer V�ter zur�ckkehren. 654. Sie sind zufrieden mit ihrer Nahrung, freuen sich an ihrer Tracht, finden ihre Behausung sch�n, Sitte und Recht erscheinen ihnen in Ordnung. 655. Und wenn die Grenzen der Nachbargebiete so nahe w�ren, da?Hahnenschrei und Hundegebell von h�ben und dr�ben geh�rt werden k�nnten, man lasse sie fr�hlich leben, zufrieden altern, ruhig sterben, doch zwinge man sie nicht, ihre Freiheit aufzugebenl |
81. Alles Wesentliche vollendet sich im Alltag |
656. Wahre Worte schmeicheln nicht. Sch�ne Worte �berzeugen nicht. 657. Echte Menschen blenden nicht. Blender sind nicht echt und wahr. 658. Weyse Menschen sind keine Vielwisser. Vielwisser sind keine Weysen. 659. Wer den Weg der Vollendung geht, sammelt keine Sch�tze; ihm ist Besitz, was er f�r andere tut; 660. je mehr er sich verschenkt, desto mehr wird ihm. 661. Wie aus dem Unergr�ndlichen das Leben quillt, ohne zu schaden, so wirkt der Weyse, ohne zu verletzen. |